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#DankeTXL – Berlin Tegel schließt

Am vergangenen Sonntag hob der letzte Flug vom geschichtsträchtigen Hauptstadtflughafen Berlin Tegel – oder kurz TXL – ab. Eine Maschine der AirFrance hatte die Ehre als letztes Flugzeug zu starten. Ab jetzt laufen die Flugverbindungen Berlins nur noch über den Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Bereits am Samstagabend hob die letzte Maschine der Lufthansa ab und ich war an Bord des Airbus A350-900 nach München dabei – #dankeTXL.

Diesen Flug habe ich bereits lange im Voraus gebucht – noch vor der Pandemie. Ein befreundeter Vielflieger und Reiseblogger, Rob, hat mich auf die Idee gebracht und natürlich war ich als Luftfahrtfan Feuer und Flamme. Schaut übrigens unbedingt bei Rob vorbei. Er betreibt die spannende Website robisintheair.de und postet auch auf Instagram super Inhalte rund ums Fliegen, Reisen und Meilensammeln.

Die aktuellen Grundregeln haben die Reise von drei geplanten Tagen Berlin auf einen Tag schrumpfen lassen. Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, mich von meinem am zweithäufigsten besuchten Airport zu verabschieden.

So begann der Tag für mich zeitig, um 09 Uhr ging mein Flug von München nach Berlin. Zur Feier des Tages habe ich meine gesammelten Meilen (die man derzeit ja nur mit Vorsicht in ein Interkont Ticket umtauschen sollte) in ein Business Class Ticket verwandelt.

Leider war das Angebot in der Lounge wegen der Gastrobeschränkungen sehr überschaubar – es gab kein Buffet und keine Getränke. Lediglich ein Sandwich 2go und Wasserflaschen zum Mitnehmen.

Und so nahm ich mit Maske auf Sitzplatz 1A des A319 Platz. Leider wurde es weder der Hauptstadtflieger noch die „Lu„, aber für mich war die Hauptsache, dass es Richtung Berlin ging.

Abgesehen vom strahlenden Sonnenschein über den Wolken und dem guten Frühstück war der Flug nach Tegel wie jeder andere – nur eben das letzte Mal nach TXL.

Aussteigen in Tegel ist wie eine Zeitreise zurück in die 70er Jahre. Alt aber auf seine eigene Art und Weise charmant. Ich war gerne am Flughafen Berlin Tegel.

Nach der Ankunft gab es ein weiteres letztes Mal: Das letzte Mal bin ich verkehrt herum zum Busstop für den TXL-Express gelaufen. Heute jedoch mit voller Absicht. So konnte ich eine Runde durch das Hexagon drehen – die Läden und Schalter fast alle geschlossen, in den Getränke- und Snackautomaten nur noch Restbestände.

Auch an den noch geöffneten Abfertigungsschleusen war viel weniger Betrieb als ich es vom Tegel bisher kannte. Leider hatte auch der S-Bahn-Wagen mit der Currywurst schon zu. Auch die Statue von Otto Lilienthal – der Namensgeber von Tegel – war bereits abmontiert.

Zeitreise – der letzte Lufthansa Flug von Tegel

Den Tag ab Ankunft habe ich dann ganz entspannt verbracht. Zwischen Alexanderplatz, Sonycenter, Brandenburger Tor und Hauptbahnhof habe ich u.a. ein paar Geocaches gesucht und gefunden. Dazu werde ich vielleicht noch einen extra Beitrag bringen, denn es stand ein ganz besonderer Cache auf der Liste…

Kurz nach Sonnenuntergang habe ich mich dann mit Rob am Bahnhof getroffen. Nach einer Currywurst und einem kalten Bier haben wir uns auf den Weg zum Flughafen gemacht. Bevor wir uns dann in die dortige Lounge begaben, durften wir natürlich einen Stopp am Zaun nicht aulassen. Ein letzter Blick auf Tower und Terminal.

Am Zaun haben wir dann Serena getroffen, die uns ihre Verbindung zu TXL erzählt hat. Die Lufthanseatin muss nun zum BER pendeln – statt 6km sind es nun 40km für sie bis zur Arbeit. Sie trauert dem Airport schon ein wenig nach – auch wenn sie, wie wir, der Meinung ist dass er nicht mehr zeitgemäß war.

Um kurz nach 20 Uhr heißt es dann auf zur Sicherheitskontrolle. Anders als an den meisten modernen Flughäfen war die in Tegel ja quasi direkt am Gate – lange Schlangen waren vorprogrammiert. Auch am heutigen Abend war das so, dafür wurde jeder Passagier mit einer Abschiedstasche empfangen, auf der „I love TXL“ stand und die von uniformierten Lufthanseatinnen und -hanseaten überreicht wurden. Immerhin hat die Hansa ihr neues Flaggschiff geschickt: Die Airbus A350-900 mit dem Namen „Dortmund“ (Kennung D-AIXI). Normalerweise wird die Strecke mit kleinerem Fluggerät aus der A320-Familie bedient, doch für ihren letzten Flug nach 30 Jahren Tegel rückt die Kranich Airline mit dem derzeit modernsten Langstrecken Jet an.

Während wir aufs Boarding warteten, wurde der Jet draußen in Szene gesetzt und mit dem Hashtag #dankeTXL bestrahlt. Überhaupt wurde der ganze Flughafen an diesem Abend in den Landesfarben Berlins beleuchtet – ein wirklich toller Anblick.

Dann ging es ganz flott: Boarding Gruppe 1 und 2, zu welcher ich gehörte, durften einsteigen. Das war also mein letztes Boarding durch den roten, charakteristischen „Finger“. Ein bisschen Wehmut ist schon dabei. Auf dem Vorfeld haben sich alle versammelt: Polizei, Feuerwehr, Bodenpersonal. Alle nahmen sie Abschied von der Lufthansa in Tegel. Zum letzten Mal forderte der Kapitän die Besatzung auf, „Cabin Crew, all doors in flight.“, ehe das Flugzeug zurückgeschoben wird und die beiden Motoren starten.

Von unzähligen Followme Wägen geführt rollte die Dortmund durch die Wasserfontäne, die die Feuerwehr aufspannte. Für mich war es die erste Fontäne, die ich als Passagier miterleben durfte und es war ein bewegender Eindruck. Mit Blaulicht und Martinshorn verabschiedete sich dann auch die Feuerwehr.

Unser Flugzeug nahm noch den Umweg um das Terminal herum, drehte also noch die Ehrenrunde, bevor es auf Startbahn 08L abhob. Zum Abschied gab es noch ein Winken des Flugzeugs (rechts, links, rechts, links Rollen) und Tegel verschwand in der dunklen aber klaren Nacht hinter uns.

Warum ist der letzte Flug von Air France?

Die für mich wahrscheinlichste Erklärung weshalb ein Sonderflug der AirFrance als letzter Flug aus Tegel abhob liegt in der Geschichte des Flugbetriebs in TXL. Am 02. Januar 1960 war der Flag Carrier Frankreichs die erste Fluggesellschaft, die einen regelmäßigen Linienflug nach Berlin Tegel anbot. Klingt für mich nach einem guten Ringschluss für die Geschichtsbücher.

Mach et jut, Tegel!

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