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Yosemite National Park

Unser Roadtrip durch den Westen der Vereinigten Staaten geht auf dieser ersten Etappe von San Francisco nach Groveland in der Nähe des unglaublichen Yosemite Nationalpark.

Über die Oakland Bay Bridge haben wir San Francisco im Westen verlassen und uns auf die rund 250km lange Route nach Groveland gemacht. Warum Groveland und nicht direkt Yosemite Valley? Eine berechtigte Frage, die ziemlich einfach beantwortet ist: Es war ausgebucht – zumindest für unser Studentenbudget. So haben wir uns eben für Airbnb entschieden.

Groveland – Kleinstadt mit strengen Gesetzeshütern

Das Airbnb bei Susan und Randy in Groveland.
Das Airbnb bei Susan und Randy in Groveland.

Jedenfalls ist das Städtchen Groveland nur eine halbe Autostunde vom Eingang zum Yosemite Nationalpark entfernt und daher ein guter Ausgangspunkt für uns. Unsere Gastgeber, Susan und Randy, haben uns warm und herzlich willkommen geheißen. In ihrer umgebauten Garage ist es echt gemütlich und es gibt ein eigenes Bad für die Gäste.

Sie haben uns sogar ein mexikanisches Restaurant im Ort empfohlen: Cocina Michoacana – eine Empfehlung die wir auch gerne so weitergeben können; das Essen war sehr lecker und die Wirtsleute freundlich. Wie wir im Nachhinein herausgefunden haben, hat die Kleinstadt im Tuolumne County aber auch eine interessante Geschichte aus Zeiten der Goldgräber. Damals war sie vor allem für ihre strenge Gesetzgebung und -vollstreckung berüchtigt und unter dem Namen „The Garrotte“ bekannt. Mehr Information zu Groveland findet ihr auf der Website des Tuolumne Tourismusverbands.

Hier war einmal Wald. Das verheerende Rim Fire ist das drittgrößte Wildfire Kaliforniens.
Hier war einmal Wald. Das verheerende Rim Fire ist das drittgrößte Wildfire Kaliforniens.

Übrigens gab es in der Nähe im Jahr 2013 einen gewaltigen Waldbrand, das Rim Fire. Die Spuren davon sind beeindruckend und beängstigend zugleich. Brandursache des drittgrößten Feuers in der Geschichte Kaliforniens war ein illegales Lagerfeuer. Hierzu habe ich unten eine Animation des Brandverlaufs von Open Datacity eingefügt.
Der Brand erregte auch international großes Interesse, da er zum Teil auf den Yosemite Nationalpark übergegriffen hat.

Rim Fire – Monitor Change

Ein interessantes Projekt der Forstverwaltung, der Organisation WhollyH2O und Nerds for Nature nutzt Social Media um die Wiederaufforstung des Gebiets zu tracken. Unter http://rimfire.whollyh2o.org/ könnt ihr mehr zum Thema erfahren und den Forschen und Förstern helfen die Auswirkungen des Feuers und die Entwicklung von Flora und Fauna nach dem Brand zu verstehen. Coole Sache!

Doch nun genug zu Groveland und dem Waldbrand. Eigentlich geht es hier ja um den Yosemite.

Der erste US National Park für uns

Gut gestärkt und ausgeschlafen (das Bett in der Unterkunft war der Hammer!), haben wir uns gleich in der Früh auf den Weg in den Yosemite National Park gemacht. Da nicht nur der Yosemite auf unserer Liste der zu besuchenden Parke stand, haben wir uns zum Erwerb eines Annual Pass („America the beautiful“) für $80 entschlossen (den konnte Caro dann auch nach ihrem Summer Job im August auch nochmal nutzen). Der Pass gilt für ein komplettes Jahr ab Kaufdatum (er läuft dann im Jahr auf das Kaufdatum ab und zwar Ende des Monats des Kaufdatums). Zudem ist er für alle Insassen eines Autos gültig (außer an Akzeptanzstellen, die pro Person zu bezahlen sind: da sind maximal 4 Erwachsene inkl. Pass Owner abgedeckt).
Man kann aber auch an jedem Park einzeln Zutrittsberechtigungen kaufen.

Nachdem der Pass gekauft und die Hängeplakette am Rückspiegel angebracht war fuhren wir endlich in den Park ein. Unser Eintrittspunkt war der „Big Oak Flat Entrance“ im Westen des Parks. Über die Big Oak Flat Road kamen wir dann zuerst am Half Dome View vorbei. Ein besonderer Moment für mich persönlich, da ich aus dem Studium noch eine Rechnung mit Half Dome offen hatte…

Wie ihr in der obigen Galerie schon sehen könnt, ist Yosemite für Liebhaber von Wasserfällen ein wahres El Dorado. Bei unserem Besuch hatten wir allerdings nicht so viel Glück in Sachen Wasserfälle, da es recht wenig Niederschlag gegeben hat und auch die Schneeschmelze in der Sierra Nevada (noch) nicht sehr ergiebig war.

Zugegeben, Yosemite war unser erster Nationalpark und wir waren noch recht unerfahren und auch ein bisschen schlecht vorbereitet. So haben wir am ersten Tag hauptsächlich die schnell erreichbaren Sehenswürdigkeiten (Horsetail Fall, Bridalvail Fall und das Valley) besucht. Höhepunkt war eine kurze Wanderung zum Mirror Lake und von dort weiter ein Stück in den Tenaya Creek hinein. Eine recht angenehme und nicht allzu anspruchsvolle Route. Mirror Lake habe ich mir etwas eindrucksvoller vorgestellt, aber das Erscheinungsbild ist wohl auch stark von den Lichtverhältnissen abhängig.

Nur wenige hundert Meter nachdem wir Mirror Lake passiert haben, kam uns eine Truppe Feuerwehrleute entgegen, die gerade einen kleineren Waldbrand gelöscht hatten. Kurz darauf haben auch wir wieder umgekehrt und uns in Richtung Hauptstraße gemacht.

Übrigens gibt es im Yosemite Valley auch ein Shuttle System, das ihr mit dem Eintrittspass kostenfrei nutzen könnt. Eine detaillierte Karte dazu gibt es auf der Website des National Parks.

Genau so habe ich mir Yosemite immer vorgestellt: Hohe Bäume, weiches Licht und in der Luft der Geruch nach Nadelholz. Hier ist die Yosemite Valley Road abgebildet, wie man sie von der Station 17 des Shuttle Service sehen würde (Haltepunkt für Mirror Lake und Tenaya Creek Trailheads).

Zwischenzeitlich haben manche Attraktionen im Park, so auch Curry Village, einen anderen Namen erhalten, da der bisherige Betreiber der Einrichtungen in einer Ausschreibung nicht mehr zum Zug kam und die erworbenen Markenrechte an den Namen nicht herausgeben wollte. Nur durch Zahlung von $12 Mio. konnten 2019 die Namen wieder zurückgekauft werden. Nun heißt Curry Village wieder Curry Village und das Ahwahnee Hotel wieder Ahwahnee Hotel. Details dazu finden sich bei der LA Times.

Den Tagesabschluss im Park bildete für uns ein Besuch der Lower Yosemite Falls. Das direkte Sonnenlicht ist da schon aus dem engen Tal verschwunden gewesen und just haben wir auch zum ersten Mal einen Luchs gesehen – in (relativ) freier Wildbahn. Das Tier ist einfach über den Parkplatz spaziert, hat sich auf einem umgefallenen Baumstamm brav ablichten lassen (quasi auf einem Catwalk) und ist dann im Wald verschwunden.

Der Weg vom Parkplatz zu den Wasserfällen führt durch einen kleinen aber hohen Wald aus Sequoia und Douglasien. Zum ersten Mal ist uns da aufgefallen, wie viele Warnschilder angebracht sind: Der Spaziergang war nicht anstrengend und der Weg nicht sonderlich steil. Dennoch wurde vor der „Steep Grade“ gewarnt. Im Verlauf der Reise wurde uns dann klar warum: Fast alle laufen mit Flip-Flops durch die Gegend und das ist bei Regen dann schon gefährlich auf den Wegen. Außerdem sichert man sich bei den horrenden Schadenersatzforderungen in amerikanischen Prozessen doch lieber gut ab. 😉

Noch ein paar Worte zu El Capitan: Die Felswände des Bergs ragen bis zu 1000m senkrecht nach oben über das Valley. Er ist ein Anziehungspunkt für Kletterer aus aller Welt. Manche übernachten sogar in der Felswand, in der sie ihre Zelte oder Schlafsäcke mit Karabinern verankern. Auf dem Bild oben könnt ihr so ein Zelt sehen. Obwohl ich schwindelfrei bin, wäre mir das doch zu verrückt. Umso mehr Respekt habe ich vor denen, die das durchziehen.

So ging unser erster Tag im Yosemite schon zu Ende. Am Abend haben wir unseren 8. Jahrestag dann im mexikanischen Restaurant in Groveland gefeiert.

Tag 2: Die Sequoia in Tuolomne Grove

Tuolumne Grove ist etwa 26 Kilometer von Yosemite Valley entfernt im Westen des Parks. In dem Hain finden sich neben Kolorado-Tannen, Zucker-Kiefern auch einige Riesenmammutbäume. Noch nie zuvor haben wir so riesige und prachtvolle Bäume gesehen! Durch ein umgefallenes Exemplar konnte man sogar hindurchgehen oder -kriechen.

Durch eine weitere Sequoia wurde ein Portal geschnitten – der Baum war angeblich schon davor ramponiert. Natürlich hätte ich gerne ein Foto von mir unter diesem Stamm gehabt ohne andere Leute drauf, aber dieser Besuch wird mir auch so immer in Erinnerung bleiben.

Neue Längeneinheit: Keckl

In diesem Teil des Yosemite National Park wurde auch die Definition der Längeneinheit „Keckl“ zweifelsfrei und eindeutig festgelegt: 1 Kckl entspricht dem halben Durchmesser eines Riesenmammutbaums, der seit ca. Christus steht. Die Baumscheibe im Bild nebenan ist am Trailhead zur Tuolumne Grove zu finden und mit den Fertigstellungsdaten berühmter Bauwerke beschriftet. Die innerste Beschriftung verweist auf 70 n.Chr. als das Kolosseum in Rom fertig wurde. Steinalt also!

Leider haben wir auch für diesen Teil des Parks nicht so viel Zeit gehabt wie wir es gerne gehabt hätten. Schließlich mussten wir an dem Tag noch bis Three Rivers fahren, wo wir die Unterkunft für den nächsten Nationalpark schon gebucht hatten.

Also fuhren wir nochmal durch Yosemite Valley und über die Wawona Road verließen wir den Park. Natürlich nicht ohne am berühmten Artist Point Trail nahe des Yosemite Tunnel zu halten und noch einen letzten Blick über die beeindruckende Topographie des Yosemite Valley streifen zu lassen.

Ein bisschen hat mich Yosemite Valley an eine andere, landschaftliche Perle erinnert, die gar nich weit weg ist und für Bayern ein toller Tages- oder Mehrtagesauflug ist. Lest mehr dazu in meinem Artikel über den Ahornboden.

Zu guter Letzt…

Achso, bevor ich es vergesse: Falls ihr noch nie in einem U.S.-Nationalpark gewesen seid und ihr euch gerade auf einen Trip vorbereitet, in den Klos der Nationalparks – außerhalb von Besucherzentren und Restaurants, stinkt es erbärmlich. 😉

Fazit Yosemite: Lieber ein paar Tage mehr einplanen

Wir hatten eine fabelhafte Zeit im Yosemite Nationalpark. Allerdings haben wir auch viel zu wenig Zeit mitgebracht um zum Beispiel wirklich schöne Wanderungen zu unternehmen oder in weitere Teile des Parks vorzudringen. Interessant wären Glacier Point, Tioga Pass und die Tuolumne Meadows gewesen – aber die waren alle zeitlich nicht drin. Schätzungsweise kann man allein im Yosemite National Park gut und gerne eine Woche verbringen und man hat sich noch immer nicht satt gesehen. Wir haben auf jeden Fall noch viele gute Gründe übrig gelassen um uns nochmal in Yosemite blicken zu lassen – ich kann es kaum erwarten…

Abschiedsfoto am Artist Point bevor es weiter nach Süden geht.

Schonmal durch einen Baumstamm gelaufen?

Damals habe ich noch nicht sehr viel vom Filmen gehalten. Aber ein kurzes Video aus dem Yosemite gibts trotzdem. Zum Beispiel sind wir durch einen umgefallenen Baumstamm gekrochen!

Die nächste Etappe führt uns vom Yosemite Nationalpark nach Süden durch die Ebene zwischen der Küstenkette und der Sierra Nevada. Über Oakhurst (das kleine Städtchen aus dem Video), Fresno und Visalia geht es in den Ort „Three Rivers“ am Fuße bzw. vor den Toren der Sequoia & Kings Canyon National Parks. Lest dort auch, was uns für eine Überraschung erwartet hat…

Weitere Beiträge aus dieser Reihe

Weitere Beiträge sind in Arbeit. 🙂

3 Gedanken zu „Yosemite National Park

  1. […] von San Francisco in den Yosemite Nationalpark im Osten des Bundesstaats Kalifornien. Mehr dazu im nächsten Post aus der Serie […]

  2. […] wir nun unseren ersten U.S. Nationalpark, den Yosemite, hinter uns gelassen haben, führt uns der Roadtrip weiter nach Süden. Über Fresno und Visalia […]

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