Mein erster Drohnenflug bei Nacht

St. Georg Freising

von Nico
Veröffentlicht: Letzte Änderung am

Wer meinen Instagram-Account in den letzten Wochen verfolgt hat, weiß dass ich in der “dunklen” Jahreszeit gerne auch in der dunklen Tageszeit unterwegs bin und in meinen Bildern eher dark & moody bin. Vor Kurzem war das eingerüstete Kirchenschiff von St. Georg Freising in bunten Farben beleuchtet. Ideal um nachts zu fotografieren.

Seit Dezember bin ich stolzer Besitzer einer DJI Mini 2. Ich habe sie angeschafft, da ich seit längerer Zeit über einen Perspektivwechsel (bzw. eine ergänzende Perspektive) für meine Fotografie nachgedacht habe und mein Arbeitgeber an unserer Freisinger Niederlassung einen Drohnenpiloten braucht.

So bin ich in den letzten Wochen schon fleißig an Flugübungen gewesen um den “großen” Drohnenschein zu machen. Meine Kenntnisse habe ich bereits als so gut erachtet, dass ich mich an den Nachtflug gewagt habe um das Lichtkunstwerk aus der Vogelperspektive abzulichten.

Rechtliche Aspekte

Da sich Freising ja z.T. innerhalb des kontrollierten Luftraums des Flughafen München befindet, ist ein Drohnenaufstieg von vornherein an hohe Hürden und Vorgaben gekoppelt. Viel mehr Planung ist erforderlich: Passt das Wetter? Lässt sich das Motiv aus der maximalen Flughöhe von 50 Metern in Szene setzen? Ist eine Ausnahmegenehmigung abseits der generell erteilten Genehmigung nötig?
Dazu kommen dann noch die üblichen Überlegungen: Sind unbeteiligte Personen vor Ort? Das wäre ja bei einer Kunstinstallation gar nicht ungewöhnlich. Kann ich von öffentlichem Grund aus starten und die Drohne über diesem schweben lassen um das Bild zu schießen?

An drei Abenden habe ich versucht aufzusteigen. Doch meistens hat mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht: Zu windig für die Drohne oder die Wolkenuntergrenze war zu niedrig um aufsteigen zu dürfen.

Letztlich haben die rechtlichen Voraussetzungen am vorletzten Abend der Aktion gepasst und ich bin zum Fliegen gegangen.

Selbstverständlich habe ich mir auch noch das erforderliche grüne Blinklicht zugelegt, andernfalls wäre ein Aufstieg bei Nacht ohnehin nicht erlaubt – unabhängig von Kontrollzone und anderem Gedöns.

Technische Aspekte

Natürlich ist bei so einer Aktion nicht nur der rechtliche Rahmen relevant. Die Berichte anderer Piloten auf sozialen Netzen über die Low-Light-Möglichkeiten der DJI Mini 2 haben mich nicht sehr zuversichtlich gestimmt. Ein relativ kleiner Sensor, der schon bei ISO 800 ziemlich rauschen soll und eine maximale Belichtungszeit von 4 Sekunden sind jetzt nicht ideale Voraussetzungen für das Vorhaben.

Aber wer immer nur auf andere hört dass etwas nicht geht, der verpasst vielleicht etwas. Und so habe ich mich von den Erfahrungen anderer nicht beirren lassen und mein Projekt in Angriff genommen. Es würde sich dann auch zeigen, ob die Drohne ruhig genug und ausreichend stabil in der Luft steht um eine mehrere Sekunden lange Belichtung zu ermöglichen.

Letzte Vorbereitungen

Am Freisinger Marienplatz angekommen, habe ich mit Freude festgestellt dass keine Leute unterwegs waren. Ein Aufstieg ist aus dieser Sicht schonmal möglich.
Als nächstes habe ich die Drohne nachtflugtauglich gemacht. Das heißt: Grünes Blinklicht montiert, Landefüße verlängert und mit dem Akku beladen. Mein Fluggerät war also einsatzbereit.

Vor dem Start habe ich nochmal die Wetterdaten des Flughafens gechecked: Sichtweite ok, Wolkenuntergrenze ok. Am Startplatz war ich auch weit genug vom Landeplatz des Klinikums entfernt und ich stand auf öffentlichem Grund. Alle Voraussetzungen sind nun erfüllt.
Einen zusätzlichen Schritt zur Absicherung meines Flugs habe ich dann noch ergriffen. Mit einem kurzen Telefonat habe ich mich bei der Polizeiinspektion Freising angemeldet und meine voraussichtliche Flugdauer sowie mein Vorhaben inkl. Standort mitgeteilt. So können besorgte AnwohnerInnen im Fall der Fälle gleich beim Anruf bei der Polizei über meinen rechtmäßigen Flug informiert werden.

Ready for take-off

Alles im grünen Bereich, geht es endlich los. Ich habe die Drohne bis auf ca. 45m aufsteigen lassen, so sind keine Gebäude und Straßenlaternen (die in der Innenstadt mit Haltekabeln mittig über der Straße befestigt sind) in der Flugbahn. So flog ich dann meine vorher ausgedachte Route und nahm ein paar Fotos und Videos auf.

Zehn Minuten später landete ich wieder sicher und ohne Zwischenfälle auf dem Marienplatz. Nachdem ich zusammengepackt habe, erfolgte durch einen zweiten Anruf bei der PI Freising meine Abmeldung und ich bin nach Hause gegangen.

Die bunt beleuchtete Kirche St. Georg zu Freising mit dem Marienplatz und Rathaus.

Fazit

Es gab zwar ein paar rechtliche Hürden, die es zu nehmen galt. Am Ende war es aber gar nicht schwer, einen sicheren und legalen Flug zu absolvieren. Im Vorfeld habe ich zwar viel Arbeit gehabt (so habe ich zum Beispiel vorab mit der Deutschen Flugsicherung telefoniert um sicher zu gehen), die sich aber definitiv lohnt und in einem kontrollierten Luftraum nahe des zweitgrößten deutschen Flughafens auch sinnvoll investiert ist.

Von der technisches Seite her muss ich sagen, dass die kleine Drohne meine Erwartungen übertroffen hat. Sowohl was die Qualität des Bild- und Videomaterials anbelangt als auch die Stabilität der Drohne in der Luft. Man sollte das Fluggerät jedoch erst ein paar Sekunden “ausschweben” lassen, bevor man auf den Auslöser für eine Langzeitbelichtung drückt. Das habe ich erst lernen müssen und so sind etwa 67% der Bilder leicht verwackelt. Das liegt aber an meiner Ungeduld, denn die verbliebenen 33% sind astrein.
Übrigens kann der Sensor doch Einiges. Mit ISO 100 und sogar nur drei Sekunden Belichtungszeit bin ich gut zurecht gekommen. Sicherlich dürfte es schwieriger werden wenn man abseits von Städten oder Ortschaften fliegt und weniger Licht zur Verfügung steht. Aber da sehe ich gerade auch nicht viel Sinn in einer Luftaufnahme.

Alles in Allem bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Auch das Verhältnis aus Aufwand zu Ergebnis ist für mich vertretbar. Die Kosten für das Blinklicht und die Landefüße sind überschaubar und man hat die Teile dann ja auch eine Weile.

Ich möchte damit auch alle motivieren, die sich durch irgendwelche Beiträge abschrecken lassen. Geht abends raus und fliegt – natürlich innerhalb der aktuell rechtlich gesteckten Rahmenbedingungen.

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